In vielen Häusern hängt sie noch immer an der Wand: eine ganz normale 08/15-Klingelanlage mit Trafo, Taster und mechanischem Läutewerk. Sie funktioniert zuverlässig – aber eben nur lokal. Sobald du nicht zuhause bist, weißt du nicht, ob jemand geklingelt hat.
Genau hier setzt diese neue Beitragsreihe an.
In „Projekt Smarte Haustür“ zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du deine bestehende Klingelanlage mit einem Shelly-Modul smart nachrüsten kannst – und das ganz ohne große Umbauten oder teure Komplettsysteme. Statt alles zu ersetzen, erweitern wir die vorhandene Technik sinnvoll.
Du erfährst, wie du von der klassischen Klingel zu einer modernen, smarten Lösung kommst – mit Benachrichtigungen, später sogar mit Türöffner, Kamera oder RFID-Zugang. Und das alles modular, nachvollziehbar und kostengünstig.
Im ersten Teil starten wir bewusst einfach:
Wir machen deine alte Klingel smart – ohne sie zu verändern.
Was bedeutet es, eine Klingel smart zu machen?
Eine Klingel smart zu machen bedeutet, die bestehende Klingelanlage um ein Relaismodul zu erweitern, das Ereignisse digital erfassen oder auslösen kann – ohne die klassische Reihenschaltung zu ersetzen.
Die vorhandene Technik bleibt dabei vollständig erhalten. Der Trafo, der Taster und das Läutewerk funktionieren weiterhin wie gewohnt – werden jedoch um eine digitale Steuerung ergänzt.
Hinweis: Fertige Komplettlösungen wie etwa Ring von Amazon bieten zwar eine schnelle Möglichkeit, Klingel und Kamera zu kombinieren. Doch nicht überall darf oder möchte man eine sichtbare Kamera im Außenbereich installieren. Zudem kann ein außen montiertes Gerät beschädigt oder manipuliert werden.
Genau deshalb setzen wir in diesem Projekt auf eine modulare Lösung im Innenbereich – die bestehende Klingel bleibt, wir machen sie lediglich smart.
Was wird für die Schaltung bzw. den Umbau benötigt?
Bevor wir starten, schauen wir uns zunächst an, welche Komponenten für die klassische Grundschaltung notwendig sind – und was zusätzlich für die smarte Erweiterung benötigt wird.
Komponenten der Grundschaltung
Für eine ganz normale Klingelanlage werden lediglich drei Bauteile benötigt:
- Transformator (230 V AC → 8 V / 10 V / 12 V AC)
Wandelt die Netzspannung in eine sichere Kleinspannung um. - Klingeltaster
Schließt beim Drücken den Stromkreis. - Einfaches Läutewerk
Wird mit Kleinspannung versorgt und erzeugt den Klingelton.
Diese drei Komponenten bilden eine einfache Reihenschaltung:
Trafo → Taster → Läutewerk → zurück zum Trafo
Mehr ist technisch nicht erforderlich – genau so ist es in vielen Häusern umgesetzt.
Komponenten für den smarten Umbau
Um die Klingelanlage zu erweitern, benötigen wir zusätzlich:
Der Shelly übernimmt dabei die Funktion des elektronischen Schalters und ermöglicht zusätzlich:
- App-Steuerung
- Push-Benachrichtigungen
- Automatisierungen
- spätere Erweiterungen (z. B. Kamera oder Türöffner)
Theoretisch würde hier auch ein:
- Shelly Plus 1 Mini
- oder sogar ein älterer Shelly der ersten Generation
ausreichen, da wir lediglich einen potenzialfreien Relaiskontakt benötigen.



Ich verwende in diesem Beitrag den Shelly Plus 1, da er ausreichend Leistung bietet, kompakt ist und sich gut in bestehende Installationen integrieren lässt.
Sicherheitshinweis zum Anschluss
Auch wenn die Klingelanlage selbst mit Kleinspannung (z. B. 8 V AC) arbeitet, befindet sich der Klingeltrafo im 230-V-Bereich der Hausinstallation. Arbeiten an Netzspannung sind grundsätzlich gefährlich und dürfen nur von fachkundigen Personen durchgeführt werden.
Für diesen Umbau wird der Shelly über ein separates 12 V-DC-Netzteil versorgt. Dennoch gilt:
- Vor Arbeiten am Schaltschrank oder an Verteilerdosen ist die Anlage freizuschalten.
- Gegen Wiedereinschalten sichern.
- Spannungsfreiheit feststellen.
- Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken.
Die Spannungsfreiheit darf ausschließlich mit einem geeigneten zweipoligen Spannungsprüfer festgestellt werden.
Die Schaltung der Klingelanlage im Überblick
Die Ausgangslage ist denkbar einfach – und genau so findet man sie in vielen Häusern vor:
Ein Klingeltrafo, ein Taster und ein Läutewerk.
Mehr braucht es nicht.
Mein verwendeter Taster hat eine eingebaute Leuchte welche über eine zusätzliche Leitung mit dem Kontakt an dem Läutewerk verbunden ist.
Den Shelly einbinden – der Taster wird smart
Bisher funktioniert unsere Klingelanlage rein mechanisch:
Der Taster schließt beim Drücken den Stromkreis zwischen Trafo und Läutewerk.
Nun erweitern wir diese Schaltung um einen Shelly.
Der Shelly übernimmt dabei die Funktion des Tasters – genauer gesagt stellt er einen elektronisch schaltbaren Kontakt bereit. Wird dieser Kontakt geschlossen, fließt der Strom genauso wie beim Drücken des Tasters.
Der Shelly wird in diesem Aufbau über ein eigenes 12 V DC-Netzteil versorgt. Der Grund dafür ist einfach: Der vorhandene Klingeltaster ist nicht für 230 Volt ausgelegt. Würde man den Shelly direkt mit Netzspannung betreiben, müsste auch der Taster entsprechend für 230 Volt geeignet sein – inklusive passender Leitungsführung.
Zwar könnte man den Taster gegen ein 230-Volt-Modell austauschen, doch in der Praxis bedeutet das meist mehr Aufwand: Die vorhandene Leitung müsste geprüft oder sogar erneuert werden, da sie ursprünglich nur für Kleinspannung vorgesehen war. Das würde den Umbau deutlich komplexer machen.
Mit einem kleinen 12 V DC-Netzteil im Schaltschrank bleibt die bestehende Klingelinstallation unangetastet. Wir erweitern das System lediglich um eine zusätzliche, sichere Versorgung für den Shelly – ohne bauliche Änderungen an Taster oder Verkabelung vornehmen zu müssen.
Den Shelly einrichten
Der nächste Schritt ist die Einrichtung des Shelly im Netzwerk.
Wie du den Shelly Plus 1 Mini Schritt für Schritt in dein WLAN einbindest, habe ich bereits ausführlich in einem separaten Beitrag beschrieben:
👉 Schritt-für-Schritt-Anleitung: Shelly Plus 1 Mini ins Netzwerk einbinden
https://draeger-it.blog/schritt-fuer-schritt-anleitung-shelly-plus-1-mini-ins-netzwerk-einbinden/
In diesem Artikel konzentrieren wir uns daher auf die projektspezifischen Einstellungen für die Klingelanlage.
Taster am Shelly einrichten
Da der Eingang am Shelly per default als Taster eingestellt ist müssen wir hier nichts weiter vornehmen. Solltest du jedoch einen bereits Eingerichteten Shelly aus einer anderen Schaltung wiederverwenden so musst du ggf. nachfolgende Einstellung treffen:




Fazit
Mit wenigen Komponenten und ohne große Umbauten haben wir eine klassische Klingelanlage erfolgreich smart erweitert. Die bestehende Technik bleibt vollständig erhalten und funktioniert weiterhin zuverlässig – unabhängig vom WLAN oder einer App.
Gleichzeitig haben wir die Grundlage geschaffen, um die Klingel nicht nur manuell, sondern auch digital auszulösen und später in Automatisierungen einzubinden. Statt die komplette Anlage zu ersetzen, wurde sie sinnvoll ergänzt.
Genau dieser modulare Ansatz macht das Projekt flexibel und zukunftssicher.
Ausblick – Projekt Smarte Haustür
Damit ist der Auftakt zur Serie „Projekt Smarte Haustür – Von der Klingel bis zum RFID-Zugang“ gemacht.
Im nächsten Teil erweitern wir die Anlage um einen elektrischen Türöffner (auch Summer genannt) und binden ihn ebenfalls smart ein. Zusätzlich zeige ich dir, wie du dich über smarte Szenen benachrichtigen lassen kannst, wenn es klingelt.
Doch damit nicht genug:
Im weiteren Verlauf der Serie integrieren wir eine kleine Kamera, die bei Betätigung der Klingel automatisch ein Bild auf dein Smartphone sendet. Schritt für Schritt entsteht so eine modulare, kostengünstige Alternative zu fertigen Komplettsystemen.
Es bleibt also spannend – und technisch interessant.
Letzte Aktualisierung am: 03. März 2026



