Künstliche Intelligenz kann längst mehr, als nur Fragen zu beantworten oder Texte zu formulieren. Besonders in der Softwareentwicklung entstehen derzeit Werkzeuge, die nicht nur Code vorschlagen, sondern direkt mit einem vorhandenen Projekt arbeiten können. Eines dieser Werkzeuge ist Claude Code von Anthropic.
Ich selbst stehe bei Claude Code noch am Anfang. In dieser Beitragsserie möchte ich deshalb nicht aus der Perspektive eines langjährigen Experten berichten. Stattdessen dokumentiere ich meinen Einstieg, probiere die Funktionen an echten Projekten aus und halte dabei fest, was gut funktioniert, wo Probleme auftreten und was ich selbst daraus lerne.
Dabei möchte ich Claude Code später unter anderem mit Projekten aus den Bereichen Python, Arduino, ESP32, Raspberry Pi, Node-RED und Smart Home ausprobieren. Der Schwerpunkt liegt also nicht nur auf theoretischen Funktionen, sondern auf praktischen Einsatzmöglichkeiten.
Bevor wir Claude Code installieren und mit dem ersten Projekt starten, müssen wir jedoch eine grundlegende Frage klären:
Was ist Claude Code überhaupt und worin unterscheidet es sich von Claude.ai?
Was erwartet dich in diesem Beitrag?
In diesem Beitrag erfährst du:
- was Claude und Claude Code sind,
- weshalb Claude Code mehr als ein gewöhnlicher KI-Chat ist,
- wie sich Claude.ai und Claude Code voneinander unterscheiden,
- welche Aufgaben Claude Code auf dem eigenen Computer übernehmen kann,
- und für wen sich das Werkzeug grundsätzlich eignet.
Was ist Claude?
Claude ist ein von Anthropic entwickelter KI-Assistent beziehungsweise eine Familie großer Sprachmodelle. Claude kann Texte verstehen und erstellen, Inhalte zusammenfassen, Dokumente analysieren, Fragen beantworten, beim Lernen unterstützen und Quellcode erzeugen oder erklären.
Anthropic beschreibt Claude nicht nur als Chatbot, sondern als eine Art digitalen Denk- und Arbeitspartner. Der Nutzer kann gemeinsam mit Claude Ideen entwickeln, Probleme analysieren, Texte überarbeiten oder Programmieraufgaben lösen.
Die bekannteste Möglichkeit, Claude zu verwenden, ist die Weboberfläche Claude.ai. Dort funktioniert die Zusammenarbeit zunächst ähnlich wie bei anderen KI-Assistenten: Du beschreibst eine Aufgabe in natürlicher Sprache und Claude antwortet innerhalb einer Unterhaltung.
Neben der Weboberfläche gibt es Claude außerdem als Desktop- und Mobilanwendung sowie über verschiedene Integrationen und Programmierschnittstellen. Claude bezeichnet somit nicht nur eine einzelne App, sondern die zugrunde liegende KI, die in unterschiedlichen Werkzeugen eingesetzt werden kann.
Wie arbeitet man mit Claude.ai?
Die Arbeit mit Claude.ai beginnt normalerweise mit einer Eingabe, die auch als Prompt bezeichnet wird. Darin beschreibe ich in natürlicher Sprache, welche Aufgabe Claude übernehmen soll.
Ein Prompt kann aus einer einfachen Frage bestehen. Bei umfangreicheren Aufgaben hilft es jedoch, Claude einige zusätzliche Informationen zu geben. Ein guter Prompt sollte möglichst drei Punkte enthalten:
- den Hintergrund und das Ziel der Aufgabe,
- eine möglichst konkrete Beschreibung der gewünschten Tätigkeit,
- und Vorgaben für das erwartete Ergebnis.
Statt Claude lediglich zu schreiben:
Erstelle mir einen Arduino-Sketch.
kann ich die Aufgabe beispielsweise genauer formulieren:
Erstelle einen Arduino-Sketch für einen Arduino Uno. Eine LED ist mit dem digitalen Pin 7 verbunden und soll im Abstand von einer Sekunde ein- und ausgeschaltet werden. Kommentiere den Code auf Deutsch und erkläre anschließend kurz dessen Funktionsweise.
Je genauer ich die Aufgabe und die technischen Rahmenbedingungen beschreibe, desto besser kann Claude die gewünschte Antwort aufbereiten. Dabei muss ein Prompt nicht unnötig kompliziert formuliert sein. Anthropic empfiehlt, mit Claude ähnlich wie mit einem Arbeitskollegen zu kommunizieren: natürlich, konkret und verständlich.
Ein einfaches Arduino-Programm mit Claude erstellen
Claude kann nicht nur Texte verfassen oder Fragen beantworten, sondern auch beim Programmieren unterstützen. Für einen ersten Test habe ich Claude.ai über die Weboberfläche gebeten, einen einfachen Arduino-Sketch zu erstellen.
Dazu musste ich lediglich in natürlicher Sprache beschreiben, was das Programm tun soll. Claude erzeugte daraufhin einen passenden Sketch und ergänzte diesen mit Erklärungen zum Aufbau und zur Funktionsweise des Codes.
Das Beispiel zeigt bereits eine der Stärken von Claude: Auch ohne eine spezielle Entwicklungsumgebung kann ich mir Quellcode erstellen, erklären oder verbessern lassen. Der erzeugte Code wird jedoch zunächst nur innerhalb der Unterhaltung angezeigt. Ich muss ihn anschließend selbst kopieren, in die Arduino IDE einfügen und auf den Mikrocontroller übertragen.
Zusätzlichen Kontext bereitstellen
Neben einer Texteingabe kann ich Claude.ai auch Dateien und Bilder zur Verfügung stellen. So kann ich beispielsweise:
- einen vorhandenen Quellcode hochladen und erklären lassen,
- einen Fehler in einer Konfigurationsdatei suchen,
- einen Screenshot einer Fehlermeldung analysieren lassen,
- oder eine Dokumentation als zusätzlichen Kontext bereitstellen.
Claude berücksichtigt die hochgeladenen Inhalte anschließend bei seiner Antwort. Dadurch muss ich längere Quelltexte oder Dokumente nicht vollständig in das Eingabefeld kopieren.
Die Dateien müssen bei einem normalen Chat in Claude.ai jedoch zunächst von mir ausgewählt und hochgeladen werden. Claude erhält dadurch nur Zugriff auf die Informationen, die ich innerhalb der Unterhaltung bereitstelle. Es durchsucht nicht automatisch sämtliche Dateien eines lokalen Projektordners.
Antworten gemeinsam verbessern
Die erste Antwort von Claude muss noch nicht das endgültige Ergebnis sein. Claude.ai ist auf eine fortlaufende Unterhaltung ausgelegt. Ich kann Rückfragen stellen, zusätzliche Anforderungen ergänzen oder Claude auf Fehler und unpassende Lösungen hinweisen.
Mögliche Folgeanweisungen wären beispielsweise:
Verwende statt
delay()die Funktionmillis(), damit der Arduino während der Wartezeit weitere Aufgaben ausführen kann.
Oder:
Ergänze den Sketch um einen Taster, mit dem die LED aktiviert und deaktiviert werden kann.
Claude berücksichtigt dabei den bisherigen Verlauf der Unterhaltung. Auf diese Weise kann ich eine Lösung schrittweise entwickeln und verbessern, ohne jedes Mal einen vollständig neuen Prompt formulieren zu müssen.
Dabei hilft möglichst konkretes Feedback. Statt lediglich zu schreiben, dass mir das Ergebnis nicht gefällt, sollte ich erklären, was verändert werden soll. Ich kann beispielsweise angeben, dass der Code verständlicher kommentiert, eine Funktion vereinfacht oder eine bestimmte Bibliothek verwendet werden soll.
Falls sich eine Unterhaltung zu weit von der ursprünglichen Aufgabe entfernt oder Claude wiederholt in die falsche Richtung arbeitet, kann ein neuer Chat sinnvoll sein. Dort kann ich die Aufgabe mit einer überarbeiteten und präziseren Beschreibung erneut beginnen.
Diese Zusammenarbeit innerhalb eines Chats ist bereits sehr leistungsfähig. Bei einem vollständigen Softwareprojekt entsteht jedoch zusätzlicher manueller Aufwand: Dateien müssen hochgeladen, erzeugter Code kopiert und Änderungen selbst in das Projekt übernommen werden.
Genau hier setzt Claude Code an.
Was ist Claude Code?
Claude Code ist ein speziell für die Arbeit mit Softwareprojekten entwickeltes Werkzeug von Anthropic. Es verwendet Claude als zugrunde liegende KI, erweitert diese jedoch um direkten Zugriff auf Entwicklungswerkzeuge und die Dateien eines Projekts.
Claude Code kann unter anderem:
- die Struktur eines Projekts untersuchen,
- Quellcode und Konfigurationsdateien lesen,
- Dateien erstellen und bearbeiten,
- projektübergreifende Änderungen vornehmen,
- Befehle im Terminal ausführen,
- Tests starten und deren Ergebnisse auswerten,
- Fehler im Code suchen,
- Git-Änderungen untersuchen,
- und Commits vorbereiten oder erstellen.
Anthropic bezeichnet Claude Code deshalb als „agentic coding tool“. Gemeint ist damit, dass das Werkzeug nicht nur eine einzelne Antwort erzeugt. Es kann eine Aufgabe in mehrere Arbeitsschritte zerlegen, benötigte Dateien suchen, Änderungen durchführen, Befehle ausführen und anschließend auf die Ergebnisse reagieren.
Ein einfaches Beispiel wäre die Anweisung:
Untersuche dieses Python-Projekt, finde die Ursache für den fehlerhaften Programmstart und behebe den Fehler.
In einem normalen Chat müsste ich zunächst die relevanten Dateien finden, ihren Inhalt kopieren und die vorgeschlagenen Änderungen anschließend selbst in das Projekt übertragen.
Claude Code kann dagegen direkt innerhalb des geöffneten Projekts nach den betroffenen Dateien suchen, den Code analysieren, eine Änderung vornehmen und anschließend einen vorhandenen Test oder das Programm selbst ausführen.
Genau dieser Zugriff auf das reale Projekt unterscheidet Claude Code von der reinen Arbeit innerhalb eines Claude.ai-Chats.
Ist der Projektzugriff ein Alleinstellungsmerkmal von Claude Code?
Die kontextabhängige Arbeit mit einem vollständigen Softwareprojekt ist kein Alleinstellungsmerkmal von Claude Code. Auch andere KI-Werkzeuge für die Softwareentwicklung können vorhandene Projektdateien analysieren, Änderungen an mehreren Dateien vornehmen und weitere Entwicklungswerkzeuge einbeziehen.
Ein bekanntes Beispiel ist GitHub Copilot. Durch die Integration in Entwicklungsumgebungen wie IntelliJ IDEA kann Copilot den aktuellen Quellcode und weitere Informationen aus dem geöffneten Projekt berücksichtigen. Im Agent-Modus kann das Werkzeug außerdem selbstständig nach relevanten Dateien suchen, Änderungen vornehmen und Befehle im Terminal ausführen.
Claude Code ist also nicht das einzige Werkzeug für eine kontextabhängige und agentenbasierte Softwareentwicklung. In diesem Beitrag geht es jedoch in erster Linie um den Unterschied zwischen Claude.ai und Claude Code. Während die Weboberfläche vor allem auf die Arbeit innerhalb einer Unterhaltung ausgelegt ist, kann Claude Code direkt mit einem lokalen Projekt, den darin enthaltenen Dateien und den verfügbaren Entwicklungswerkzeugen arbeiten.
Ob Claude Code, GitHub Copilot oder ein anderes KI-Werkzeug besser zum eigenen Arbeitsablauf passt, hängt von der verwendeten Entwicklungsumgebung, dem jeweiligen Projekt und den persönlichen Vorlieben ab. In dieser Beitragsserie konzentriere ich mich auf Claude Code und untersuche, wie gut sich das Werkzeug in der Praxis für meine eigenen Projekte einsetzen lässt.
Claude liefert nicht immer sofort das gewünschte Ergebnis
Unabhängig davon, ob ich Claude über die Weboberfläche oder mit Claude Code verwende, hängt die Qualität des Ergebnisses stark von meiner Aufgabenbeschreibung und dem bereitgestellten Kontext ab.
Eine sehr allgemein formulierte Anfrage führt häufig auch zu einer allgemeinen Antwort. Fehlen beispielsweise Informationen zur verwendeten Hardware, Programmiersprache oder Bibliothek, muss Claude Annahmen treffen. Diese Annahmen entsprechen jedoch nicht immer dem tatsächlichen Projekt.
Typische Probleme bei der Arbeit mit Claude sind:
- die Antwort bleibt zu allgemein,
- der erzeugte Text ist zu lang oder zu kurz,
- ein gewünschtes Format wird nicht eingehalten,
- der Tonfall passt nicht zur Aufgabe,
- oder Claude nennt überzeugend klingende, aber falsche Informationen.
Viele dieser Probleme lassen sich durch einen genaueren Prompt reduzieren. Dabei sollte ich möglichst eindeutig beschreiben, was Claude tun soll und welche Rahmenbedingungen gelten.
Statt beispielsweise nur zu schreiben:
Erstelle einen Arduino-Sketch für einen Temperatursensor.
ist eine konkretere Aufgabenbeschreibung sinnvoller:
Erstelle einen Arduino-Sketch für einen Arduino Uno und einen DHT22, der am digitalen Pin 4 angeschlossen ist. Lies alle zwei Sekunden die Temperatur und Luftfeuchtigkeit aus und gib beide Werte über den seriellen Monitor aus. Verwende die DHT-Sensor-Library von Adafruit und kommentiere den Code auf Deutsch.
Claude erhält dadurch Informationen zur verwendeten Hardware, zur Verdrahtung, zur Bibliothek und zum gewünschten Ergebnis.
KI-Ergebnisse müssen kontrolliert werden
Claude kann Quellcode sehr überzeugend formulieren und erklären. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede erzeugte Lösung technisch korrekt ist.
Unter anderem kann Claude:
- Funktionen oder Schnittstellen falsch verwenden,
- nicht existierende Methoden nennen,
- veraltete Bibliotheken berücksichtigen,
- technische Voraussetzungen übersehen,
- oder eine unnötig komplizierte Lösung erzeugen.
Bei aktuellen, sicherheitsrelevanten oder sehr speziellen Informationen sollte ich wichtige Aussagen deshalb zusätzlich überprüfen. Das gilt besonders für elektrische Schaltungen, Zugangsdaten, sicherheitskritischen Programmcode und Änderungen an produktiven Systemen.
Bei Claude Code ist diese Kontrolle besonders wichtig, da das Werkzeug nicht nur Vorschläge innerhalb eines Chats anzeigt, sondern Dateien bearbeiten und Befehle ausführen kann. Bevor ich Änderungen übernehme, sollte ich deshalb prüfen, welche Dateien verändert wurden und ob der erzeugte Code tatsächlich wie gewünscht funktioniert.
Git bietet dabei eine wichtige Absicherung: Durch einen vorherigen Commit lassen sich die Änderungen nachvollziehen, vergleichen und bei Bedarf wieder zurücksetzen.
Claude ersetzt somit nicht das eigene Fachwissen. Das Werkzeug kann mich beim Entwickeln, Analysieren und Lernen unterstützen – die Verantwortung für das endgültige Ergebnis bleibt jedoch bei mir.
Fazit und Ausblick
Claude und Claude Code basieren zwar auf derselben KI, sind jedoch für unterschiedliche Arbeitsweisen ausgelegt. Claude.ai eignet sich besonders für Unterhaltungen, Erklärungen, Analysen und einzelne Programmieraufgaben. Zusätzliche Dateien und Informationen müssen dabei innerhalb des Chats bereitgestellt werden.
Claude Code geht einen Schritt weiter und arbeitet direkt mit einem vorhandenen Softwareprojekt. Das Werkzeug kann Projektdateien analysieren, Änderungen vornehmen, Befehle ausführen und Testergebnisse auswerten. Dadurch eignet es sich besonders für umfangreichere Entwicklungsaufgaben, bei denen mehrere Dateien und Werkzeuge zusammenspielen.
Diese Möglichkeiten sind allerdings kein Alleinstellungsmerkmal von Claude Code. Auch andere KI-Werkzeuge wie GitHub Copilot bieten vergleichbare Funktionen. Entscheidend ist daher, welches Werkzeug am besten zur eigenen Entwicklungsumgebung und zum persönlichen Arbeitsablauf passt.
Unabhängig vom verwendeten Werkzeug gilt: KI-generierte Ergebnisse sollten immer kontrolliert und getestet werden. Claude kann mich beim Entwickeln, Lernen und Analysieren unterstützen, ersetzt aber weder meine eigene Erfahrung noch die Verantwortung für das fertige Ergebnis.
Nachdem wir in diesem Beitrag die Unterschiede zwischen Claude.ai und Claude Code geklärt haben, starten wir im nächsten Teil mit der praktischen Arbeit. Dort installieren wir Claude Code, richten das Werkzeug ein und erstellen anschließend einen ersten Prompt sowie ein kleines Projekt.
Letzte Aktualisierung am: 02. Juli 2026
