Wer an Shelly denkt, denkt wahrscheinlich zuerst an kleine WLAN-Schaltaktoren hinter dem Lichtschalter, smarte Steckdosen oder Sensoren für Temperatur, Bewegung und geöffnete Fenster.
Mit The Pill by Shelly gibt es inzwischen jedoch ein Gerät, das nicht so recht in eine dieser klassischen Kategorien passen möchte.
The Pill schaltet zunächst keine 230-V-Lampe. Es besitzt auch keinen fest integrierten Temperatur-, Bewegungs- oder Feuchtigkeitssensor. Stattdessen steckt in dem winzigen Gehäuse ein ESP32-C3, auf dem Shellys Gen3-Firmware läuft. Externe Sensoren und Ein-/Ausgänge können über verschiedene Erweiterungen angeschlossen werden. Dazu kommen WLAN, Bluetooth, MQTT, Webhooks, Scripting und virtuelle Komponenten.
Für mich stellt sich deshalb eine interessante Frage:
Ist Shelly The Pill vielleicht so etwas wie der ESP32 für Smart-Home-Bastler?
Genau dieser Frage möchte ich in diesem Beitrag nachgehen.





Vorteile von Shelly The Pill
Ein großer Vorteil von Shelly The Pill ist die einfache Stromversorgung. Das Gerät wird mit 5 V über USB-C betrieben und muss daher nicht direkt mit 230 V verbunden werden. Gerade für eigene Bastel- und Smart-Home-Projekte macht das den Einstieg deutlich angenehmer.
Auch die Erweiterbarkeit ist interessant, aktuell ist das Zubehörangebot allerdings noch überschaubar. Verfügbar sind unter anderem:
- Analog 0–30V Add-on
- SSR Add-on
- DS18B20 Temperatursensor
- 1-zu-5-Splitter für mehrere DS18B20-Sensoren
Damit lässt sich The Pill schon heute für Temperaturmessung, Spannungsüberwachung und einfache Steuerungsaufgaben einsetzen.
Nachteile von Shelly The Pill
The Pill ist sehr flexibel, ersetzt jedoch keinen klassischen Shelly-Schaltaktor wie einen Shelly Plus 1PM, Plus 2PM oder Shelly Mini.
Mit dem optionalen SSR Add-on lassen sich zwar zwei DC-Verbraucher mit jeweils bis zu 30 V und 300 mA schalten, für typische Smart-Home-Verbraucher ist das jedoch deutlich zu wenig. Eine Lampe, Steckdose oder andere größere Last lässt sich damit nicht direkt ersetzen.
Hier spielt wiederum die Vernetzung innerhalb des Shelly-Systems ihre Stärke aus. The Pill kann beispielsweise einen Sensor oder Eingang auswerten und anschließend über eine lokale Action einen anderen Shelly-Aktor schalten. Alternativ lässt sich die Logik über eine Szene in der Shelly Cloud umsetzen.
Ein mögliches Szenario wäre beispielsweise:

Damit übernimmt The Pill eher die Rolle eines Sensors, Controllers oder Signalgebers, während ein klassischer Shelly-Aktor weiterhin das eigentliche Schalten größerer Verbraucher übernimmt.
Ein weiterer Nachteil ist derzeit die noch recht überschaubare Auswahl an Add-ons. Gerade für Bastler wäre hier zukünftig eine größere Auswahl an Sensor- und Schnittstellenmodulen interessant.
Technische Daten von Shelly The Pill
Im Inneren von Shelly The Pill arbeitet ein Shelly ESP32-C3 (ESP-Shelly-C38F) mit 8 MB Flash-Speicher. Das Gerät wird mit 5 V über USB-C versorgt und benötigt dabei weniger als 1 Watt.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Abmessungen | 26 × 19,95 × 8,5 mm |
| Gewicht | 3 g |
| Versorgung | 5 V DC über USB-C |
| Leistungsaufnahme | < 1 W |
| CPU | Shelly ESP32-C3 |
| Flash-Speicher | 8 MB |
| WLAN | 802.11 b/g/n, 2,4 GHz |
| Bluetooth | BLE 4.2 |
| WLAN-Reichweite | bis 30 m innen / 50 m außen |
| Bluetooth-Reichweite | bis 10 m innen / 30 m außen |
| Digital-Eingänge | max. 3,3 V |
| Digital-Ausgänge | 3,3 V Logic-Level, max. 20 mA |
| Analoge Messung | 0–2,5 V integriert |
| Analoge Messung mit Add-on | 0–30 V DC |
| Unterstützte Sensoren | 1× DHT22 oder bis zu 5× DS18B20 |
| MQTT | Ja |
| Scripting | Ja |
| Webhooks | 20, jeweils bis zu 5 URLs |
| Zeitpläne | 20 |
| Verschlüsselung | Ja |
Ein- und Ausgänge
Die digitalen Eingänge arbeiten mit Active LOW. Spannungen unter 0,83 V werden als LOW erkannt, ab etwa 2,48 V als HIGH. Die maximale Eingangsspannung beträgt 3,3 V.
Die digitalen Ausgänge liefern ebenfalls 3,3 V Logic-Level und dürfen mit maximal 20 mA belastet werden. Für größere Lasten ist daher eine passende Treiberstufe beziehungsweise das SSR Add-on notwendig.
Analoge Messung
The Pill kann bereits ohne zusätzliches Add-on Spannungen zwischen 0 und 2,5 V messen. Mit dem optionalen Analog 0–30V Add-on erweitert sich der Messbereich auf bis zu 30 V DC.
Gerade dieser Punkt macht das Gerät für eigene Sensorprojekte interessant, denn viele Sensoren aus der Arduino- und ESP32-Welt liefern ein analoges Ausgangssignal.
Wo ordnet sich Shelly The Pill ein?
The Pill ist weder ein klassischer Shelly-Schaltaktor noch ein fertiger Sensor. Vielmehr sehe ich ihn als universelle Schnittstelle für eigene Smart-Home-Projekte.
Ein Shelly Plug schaltet eine Steckdose, ein Shelly BLU Motion erkennt Bewegungen und ein Shelly H&T misst Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Bei The Pill bestimme ich dagegen selbst, welche Aufgabe das Gerät übernehmen soll.
Je nach angeschlossenem Sensor oder Add-on kann daraus beispielsweise ein:
- Temperatursensor,
- Spannungsmonitor,
- digitaler Eingang,
- kleiner Aktor,
- Bluetooth-Gateway
- oder MQTT-Sensor für Node-RED
werden.
Genau diese Flexibilität unterscheidet The Pill von vielen anderen Shellys.
Eigene Sensoren anschließen
Mit dem Analog 0–30V Add-on wird The Pill für Bastler besonders interessant. Es können viele analoge Sensoren verwendet werden, wie man sie auch aus Projekten mit ESP32, Arduino oder Raspberry Pi kennt. Shelly nennt ausdrücklich analoge Sensoren mit typischen Ausgangsspannungen von 0 bis 5 V als Einsatzgebiet.
Denkbar sind beispielsweise:
- Fotowiderstand (LDR) über einen Spannungsteiler
- Bodenfeuchtesensoren mit Analogausgang
- Drucksensoren
- Füllstandssensoren
- Potentiometer
- analoge Licht- oder Abstandssensoren
- Batteriespannungsüberwachung
Damit lassen sich klassische Maker-Sensoren relativ einfach in die Shelly-, MQTT- oder Node-RED-Welt bringen.
Was wird für die Einrichtung benötigt?
Für die Einrichtung von Shelly The Pill über die Shelly Smart Control App benötige ich nur wenige Dinge:
- ein USB-C-Kabel
- ein 5-V-USB-Netzteil, beispielsweise ein Handynetzteil
- ein Smartphone mit der Shelly Smart Control App
- die Zugangsdaten zum 2,4-GHz-WLAN
- ein Shelly-Konto für die Nutzung der App und Cloud-Funktionen
The Pill selbst wird mit 5 V über USB-C versorgt. Ein Netzteil und USB-C-Kabel gehören nicht zum Lieferumfang.
Hinweis: Ein Shelly-Cloud-Konto ist vor allem für die Einrichtung und Nutzung über die Smart Control App relevant. The Pill bietet auch lokale Schnittstellen, sodass für spätere lokale Integrationen beispielsweise über MQTT nicht zwingend die Cloud im Mittelpunkt stehen muss.
Shelly The Pill einrichten
Die Einrichtung von Shelly The Pill war in meinem Test besonders einfach. Nachdem ich das Gerät über USB-C mit Strom versorgt hatte, wurde es über Bluetooth automatisch von der Shelly Smart Control App erkannt.
Danach folgt der von anderen Shelly-Geräten bekannte Ablauf:
- mit dem 2,4-GHz-WLAN verbinden
- Gerätenamen vergeben
- optional ein eigenes Bild auswählen
- einem Raum zuordnen
- Einrichtung abschließen
Damit war The Pill nach wenigen Minuten einsatzbereit.






Gerade im Vergleich zu einem klassischen ESP32-Projekt ist das angenehm: Keine Firmware flashen, keine WLAN-Zugangsdaten im Quellcode hinterlegen und keine eigene Oberfläche programmieren.
DS18B20 Temperatursensor anschließen
Durch den im Lieferumfang enthaltenen Adapter von 3,5-mm-Klinke auf Micro-USB ist der Anschluss eines DS18B20 Temperatursensors besonders einfach.
Der Sensor wird lediglich mit dem Adapter verbunden und anschließend an The Pill angeschlossen. In meinem Test wurde der DS18B20 sofort erkannt und automatisch aktiviert. Direkt danach stand der aktuelle Temperaturwert in der Shelly Smart Control App zur Verfügung.
Das ist komfortabler als beim klassischen Shelly Add-on, bei dem zunächst das Add-on aktiviert und anschließend der verwendete Sensortyp ausgewählt werden muss.
Fazit: ESP32 für Smart-Home-Bastler?
Was mich an Shelly The Pill besonders anspricht, ist die einfache Möglichkeit, eigene Sensoren ins Smart Home zu integrieren, ohne dafür direkt mit einem klassischen 230-V-Shelly arbeiten zu müssen.
The Pill wird lediglich mit 5 V über USB-C versorgt. Dadurch lassen sich Sensoren und kleine Schaltungen schnell auf dem Schreibtisch ausprobieren, konfigurieren und ins Shelly-System einbinden. Gerade für erste Experimente empfinde ich das als deutlich unkomplizierter und sicherer als einen Shelly-Aktor in eine Netzspannungsinstallation einzubauen.
Dazu kommt, dass WLAN, Bluetooth, MQTT, Weboberfläche und die Shelly-Infrastruktur bereits vorhanden sind. Ich muss also nicht wie bei einem klassischen ESP32 erst eine komplette Firmware entwickeln.
Genau darin sehe ich die Stärke von The Pill: schnell einen Sensor anschließen, ausprobieren und daraus ein smartes Gerät machen.
Mit den verfügbaren Add-ons dürfte dieses Konzept noch deutlich interessanter werden – und genau das möchte ich mir in weiteren Projekten anschauen.
FAQ zu Shelly The Pill
Was ist Shelly The Pill?
Shelly The Pill ist ein kompakter, über USB-C mit 5 V versorgter Smart-Home-Controller auf Basis eines ESP32-C3. Über Sensoren und Add-ons kann das Gerät unter anderem Temperaturen, analoge Spannungen sowie digitale Ein- und Ausgänge verarbeiten.
Benötigt Shelly The Pill 230 V?
Nein. The Pill selbst wird mit 5 V über USB-C versorgt. Gerade für Experimente mit Sensoren ist das praktisch, da am eigentlichen Aufbau keine Netzspannung benötigt wird.
Hat Shelly The Pill eigene Sensoren integriert?
Nein. The Pill besitzt keinen integrierten Temperatur-, Feuchtigkeits- oder Bewegungssensor. Externe Sensoren wie der DS18B20 oder DHT22 können angeschlossen werden.
Wie viele DS18B20-Sensoren können angeschlossen werden?
Shelly The Pill unterstützt bis zu fünf DS18B20-Temperatursensoren. Für mehrere Sensoren kann ein entsprechender 1-zu-5-Splitter verwendet werden.
Wird ein DS18B20 automatisch erkannt?
Ja. In meinem Test wurde der über den mitgelieferten Adapter angeschlossene DS18B20 sofort erkannt und aktiviert. Eine zusätzliche Auswahl des Sensortyps war nicht notwendig.
Kann Shelly The Pill Verbraucher schalten?
Mit dem optionalen SSR Add-on können zwei DC-Verbraucher mit jeweils bis zu 30 V und 300 mA geschaltet werden. Für typische 230-V-Verbraucher ist The Pill jedoch kein Ersatz für einen klassischen Shelly-Schaltaktor.
Über Actions oder Szenen kann The Pill aber andere Shelly-Geräte ansteuern, die anschließend den eigentlichen Verbraucher schalten.
Kann ich eigene Sensoren an The Pill anschließen?
Ja. Besonders mit den verfügbaren Add-ons lassen sich eigene Sensoren und Schaltungen anbinden. Interessant sind beispielsweise analoge Sensoren, wie man sie auch aus Projekten mit Arduino oder ESP32 kennt.
Unterstützt Shelly The Pill MQTT?
Ja. MQTT wird unterstützt und ermöglicht die Integration in eigene Systeme wie beispielsweise Node-RED oder andere Smart-Home-Plattformen.
Benötige ich die Shelly Cloud?
Für die komfortable Einrichtung und Nutzung über die Shelly Smart Control App ist ein Shelly-Konto sinnvoll. The Pill bietet jedoch auch lokale Schnittstellen und kann beispielsweise über MQTT, Webhooks oder lokale Actions verwendet werden.
Ist Shelly The Pill ein Ersatz für einen ESP32?
Nicht vollständig. Ein klassisches ESP32-Entwicklerboard bietet deutlich mehr Freiheit bei Hardware und Software. The Pill hat dafür einen anderen Vorteil: WLAN, MQTT, Weboberfläche und Smart-Home-Integration sind bereits vorhanden.
Für kleinere Sensor- und Automatisierungsprojekte kann The Pill deshalb wesentlich schneller zum Ziel führen.
Für wen ist Shelly The Pill interessant?
Meiner Meinung nach besonders für Smart-Home-Bastler, die eigene Sensoren oder Signale unkompliziert in das Shelly-Ökosystem integrieren möchten. Durch die 5-V-Versorgung eignet sich das Gerät zudem sehr gut für schnelle Experimente auf dem Schreibtisch, ohne direkt mit 230 V arbeiten zu müssen.
Letzte Aktualisierung am: 13. August 2026




