Im zuletzt veröffentlichten Beitrag „Shelly ohne Cloud nutzen – lokal & sicher“ habe ich gezeigt, wie sich Shelly-Geräte komplett ohne Cloud betreiben lassen – inklusive lokaler Steuerung, direkter API-Zugriffe und dem gezielten Einsatz von Actions. Der Fokus lag dabei bewusst auf Sicherheit, Kontrolle und Unabhängigkeit vom Internet.
Genau an dieser Stelle setzen Schedules an.
Denn wenn die Cloud wegfällt, fehlt vielen Anwendern vor allem eines: komfortable Zeitsteuerungen. Szenen, die früher per Wizard „zusammengeklickt“ wurden, müssen nun anders abgebildet werden.
Schedules sind dafür der konsequente nächste Schritt.
Sie ergänzen die bereits erläuterten Actions um den entscheidenden Faktor Zeit und machen es möglich, zeitbasierte Automatisierungen vollständig lokal auf dem Gerät auszuführen – stabil, transparent und ohne externe Abhängigkeiten.
Damit bauen wir in diesem Beitrag direkt auf dem vorherigen Wissen auf und führen den Weg von „Cloudfrei schalten“ hin zu „Cloudfrei automatisieren“ konsequent weiter.
Abgrenzung: Cloud-Zeitpläne vs. lokale Schedules
Zeitpläne sind kein neues Konzept im Shelly-Ökosystem.
Im Beitrag „Effiziente Hausautomation: Zeitpläne für Shelly richtig nutzen“ habe ich bereits gezeigt, wie sich Zeitpläne in der App Shelly Smart Control komfortabel anlegen lassen.
Wichtig dabei:
Diese Zeitpläne sind cloudbasiert. Die Logik wird über die Shelly-Cloud gesteuert und benötigt eine aktive Internetverbindung.
In diesem Beitrag gehen wir bewusst einen anderen Weg.
Hier liegt der Fokus auf lokalen Schedules direkt auf dem Shelly-Gerät, die vollständig ohne Cloud funktionieren und ihre Actions autark ausführen.
Beide Ansätze haben ihre Berechtigung –
dieser Beitrag zeigt jedoch, wie sich Cloud-Zeitpläne funktional ersetzen oder ergänzen lassen, wenn Datenschutz, Ausfallsicherheit und lokale Kontrolle im Vordergrund stehen.
Was sind Shelly Schedules?
Schedules sind zeitbasierte Regeln in Shelly-Geräten, mit denen zu einem definierten Zeitpunkt automatisch Actions ausgeführt werden – komplett lokal auf dem Gerät und ohne Cloud-Abhängigkeit.
Dabei unterscheidet Shelly zwei Varianten: Basic Schedules und Advanced Schedules. Beide verfolgen dasselbe Ziel, unterscheiden sich aber im Detailgrad der Zeitsteuerung.
Basic Schedule – einfache Zeitpläne für den Alltag
Ein Basic Schedule eignet sich für klassische, wiederkehrende Automatisierungen.
- Ausführung zu einer festen Uhrzeit
- Auswahl eines oder mehrerer Wochentage
- Bis zu 5 Actions pro Schedule
- Läuft vollständig lokal auf dem Gerät
Typische Einsatzfälle sind:
- Steckdose jeden Tag um 18:00 Uhr einschalten
- Licht Montag–Freitag morgens aktivieren
Ideal für alle, die Cloud-Szenen einfach und stabil lokal ersetzen möchten.
Kleiner Praxis-Hinweis: Einrichtung auch ohne Internet möglich
Ein oft unterschätzter Vorteil lokaler Schedules ist, dass keine aktive Internetverbindung erforderlich ist.
Da die gesamte Logik direkt auf dem Shelly läuft, lässt sich ein solcher Zeitplan theoretisch sogar komplett offline erstellen – etwa im Büro, im Gäste-WLAN oder in einem abgeschotteten Netzwerk.
Wichtig dabei:
Auch wenn die Technik es erlaubt, sollte man sich vorher die entsprechende Erlaubnis einholen, insbesondere in Firmen- oder Gemeinschaftsnetzen. Shelly-Geräte eröffnen lokal ein eigenes Webinterface, was in manchen Umgebungen bewusst reglementiert ist.
Advanced Schedule – maximale Kontrolle über den Zeitpunkt
Ein Advanced Schedule geht deutlich weiter und erlaubt eine sehr feingranulare Zeitdefinition. Hier lässt sich der Ausführungszeitpunkt fast beliebig einschränken oder erweitern.
Zusätzlich zu den Basisfunktionen können hier definiert werden:
- Monate
- Tage
- Wochentage
- Stunden
- Minuten
- Sekunden
- Offset zu Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang
Damit sind Automatisierungen möglich wie:
- „Nur am 1. des Monats um 12:00 Uhr“
- „Alle 5 Minuten innerhalb eines Zeitfensters“
Advanced Schedules sind ideal für komplexere Automationen, bei denen einfache Uhrzeiten nicht ausreichen.
Gemeinsamkeit beider Varianten
Unabhängig davon, ob Basic oder Advanced:
- Ein Schedule kann maximal 5 Actions ausführen
- Die Logik läuft direkt auf dem Shelly
- Kein Internet, keine Cloud, keine App notwendig
Damit bilden Schedules die zeitliche Grundlage, während Actions die eigentliche Steuerung übernehmen – ein Prinzip, das lokale Automatisierungen übersichtlich und wartbar hält.
Praxisbeispiel 1: Basic Schedule – Kaffeemaschine am Morgen einschalten
Damit dieses Beispiel zuverlässig funktioniert, müssen zwei Komponenten zusammenspielen:
der passende Shelly und eine geeignete Kaffeemaschine.
Geeigneter Shelly: Plug statt fester Installation
Für diesen Anwendungsfall ist der Shelly Plus Plug S ideal.
Er wird einfach zwischen Steckdose und Kaffeemaschine gesteckt – ganz ohne zusätzliche Verkabelung oder Eingriffe in die Elektroinstallation. Genau deshalb eignet er sich perfekt für temporäre oder flexible Automationen wie diese.
Wichtiger Punkt: Die Kaffeemaschine selbst
Mindestens genauso entscheidend wie der Shelly ist das Verhalten der Kaffeemaschine beim Einschalten der Stromversorgung.
Ideal geeignet sind Geräte mit:
- einem mechanischen EIN/AUS-Schalter
- klar definiertem Zustand „Aus“ und „Ein“
- automatischem Start, sobald wieder Strom anliegt
Bei diesen Geräten sorgt der Shelly einfach dafür, dass zur gewünschten Uhrzeit Spannung anliegt – die Kaffeemaschine startet dann wie gewohnt.
Weniger geeignet sind Geräte mit:
- elektronischem Taster
- Soft-Touch-Bedienfeld
- Standby-Logik oder Sicherheitsabfrage nach Spannungsverlust
Solche Maschinen gehen nach dem Einschalten meist nur in einen Bereitschaftsmodus und starten den Brühvorgang nicht automatisch. In diesem Fall würde der Shelly zwar korrekt schalten, der gewünschte Effekt bleibt jedoch aus.
Umsetzung des Zeitplans: Kaffee von Montag bis Freitag um 6:50 Uhr
Kommen wir nun zur konkreten Umsetzung unseres Basic Schedules.
Ziel ist es, die Kaffeemaschine werktags um 6:50 Uhr einzuschalten, sodass pünktlich um 7:00 Uhr ein frischer Kaffee bereitsteht.
Als Schaltaktor kommt hier der Shelly Plus Plug S zum Einsatz, der einfach zwischen Steckdose und Gerät gesteckt wird.
Schritt 1: Basic Schedule anlegen
Im lokalen Webinterface des Shelly legen wir einen neuen Basic Schedule an und definieren folgende Parameter:
- Typ: Basic schedule (1)
- Uhrzeit: 06:50 Uhr (2)
- Wochentage: Montag bis Freitag (3) (nicht aktive Wochentage sind weiß)
Damit ist festgelegt, wann die Aktion ausgeführt werden soll.
Schritt 2: Action definieren
Im nächsten Schritt wird die eigentliche Action hinzugefügt:
- Action: Control Output > Set Output State property
- Aktion: Einschalten (
ON) - Button: Save local action




Der Shelly schaltet zu diesem Zeitpunkt die Steckdose ein und versorgt die Kaffeemaschine mit Strom.
Ergebnis im Alltag
- Kein Griff zum Handy
- Keine App
- Keine Cloud
- Kein Internet
Um 6:50 Uhr wird die Kaffeemaschine automatisch eingeschaltet,
um 7:00 Uhr steht der Kaffee fertig auf dem Tisch.
Voraussetzung bleibt natürlich, dass die Kaffeemaschine über einen mechanischen EIN/AUS-Schalter verfügt und nach dem Anlegen der Spannung direkt startet.
Advanced Schedule in der Praxis – ausführliches Beispiel
Das hier gezeigte Beispiel zur Außenbeleuchtung abhängig vom Sonnenuntergang habe ich bereits ausführlich und praxisnah in einem separaten Beitrag behandelt.
Im Beitrag „Shelly Plug S & Shelly Outdoor Plug S – Zeitsteuerung ohne Internet nutzen“ zeige ich Schritt für Schritt:
- wie ein zeitabhängiger Ablauf ohne Internetverbindung umgesetzt wird
- wie Sonnenuntergang und feste Abschaltzeiten kombiniert werden
- und wie sich solche Automationen stabil und wartungsfrei betreiben lassen
Wer tiefer in das Thema Advanced Schedules einsteigen möchte, findet dort eine detaillierte Anleitung mit konkreten Einstellungen und Praxisbezug.
In diesem Beitrag liegt der Fokus bewusst darauf, die grundlegende Funktionsweise von Schedules zu verstehen und sie sinnvoll von Cloud-Zeitplänen abzugrenzen.
Wichtiger Hinweis: HTTP-Requests zeitgesteuert ausführen (mit kleinem Umweg)
Ein Punkt, der beim Arbeiten mit Schedules schnell auffällt: Schedules selbst können keine HTTP-Requests auslösen.
Das bedeutet konkret: Im Schedule-Menü gibt es keine direkte Option, um eine URL aufzurufen oder andere Geräte per HTTP oder RPC anzusprechen.
Aber: Mit einem kleinen, praxisbewährten Kniff lässt sich diese Einschränkung elegant umgehen.
Der Trick: Schedule + Action kombinieren
Statt den HTTP-Request direkt im Schedule zu definieren, wird folgender Weg genutzt:
- Der Schedule schaltet zu einem definierten Zeitpunkt einen Output
- Dieser Output dient als Trigger für eine Action
- In der Action wird dann der gewünschte HTTP-Request hinterlegt
So übernimmt der Schedule weiterhin nur die zeitliche Steuerung, während die eigentliche Logik in der Action liegt.
Vorteil dieses Ansatzes
- Zeitsteuerung bleibt übersichtlich und klar getrennt
- Actions können weiterhin:
- URLs aufrufen
- andere Shelly-Geräte ansprechen
- externe Systeme triggern
- Funktioniert vollständig lokal
- Auch für komplexere Automationen geeignet
Auf diese Weise lassen sich zeitgesteuert auch andere Geräte oder Systeme einbinden, obwohl Schedules selbst keine HTTP-Funktion besitzen.
Fazit: Zeitpläne lokal denken – mit Schedules flexibel automatisieren
Mit Schedules bietet Shelly eine leistungsfähige Möglichkeit, zeitbasierte Automatisierungen direkt auf dem Gerät umzusetzen – ganz ohne Cloud, App oder Internetverbindung. Ein Schedule übernimmt dabei die zeitliche Steuerung, während Actions definieren, was zu diesem Zeitpunkt passieren soll.
Auch wenn Schedules selbst keine HTTP-Requests ausführen können, lässt sich diese Einschränkung mit einem kleinen, aber wirkungsvollen Kniff umgehen:
Über eine passende Action, die auf einen geschalteten Output reagiert, können zusätzlich URLs aufgerufen und andere Geräte oder Systeme zeitgesteuert angesteuert werden.
Damit lassen sich nicht nur einzelne Shelly-Geräte schalten, sondern auch komplexere Automationen realisieren, die über ein einzelnes Gerät hinausgehen – lokal, nachvollziehbar und wartungsarm.
Schedules sind damit ein zentraler Baustein, um Shelly-Geräte cloudfrei zu betreiben und trotzdem komfortable, zeitgesteuerte Automatisierungen umzusetzen.
Letzte Aktualisierung am: 07. Januar 2026




