Auf meinem Blog habe ich bereits einige Projekte mit ePaper-Displays umgesetzt. Die Technik ist faszinierend: extrem stromsparend, perfekt ablesbar bei Sonnenlicht und ideal für IoT-Anwendungen.
Doch ein Nachteil zieht sich durch fast alle dieser Displays: sie sind oft ziemlich teuer.
Genau hier wird es spannend.
Mit dem Waveshare ESP32-S3 RLCD 4.2 kommt eine interessante Alternative ins Spiel. Statt eines klassischen ePaper-Displays setzt dieses Board auf ein sogenanntes RLCD (Reflective LCD) – und verspricht damit ein ähnliches „Look & Feel“, aber zu einem deutlich attraktiveren Preis.
👉 Die große Frage ist also:
Kann dieses Display wirklich mit ePaper mithalten – oder ist es nur ein günstiger Kompromiss?
In diesem Beitrag starte ich mit einem Unboxing und meinem ersten Eindruck vom Board.




Transparenzhinweis:
Das Gerät wurde mir von Waveshare für dieses Review kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich freue mich immer, wenn ich in dieser Form unterstützt werde und neue Hardware frühzeitig testen kann.Selbstverständlich hat dies keinen Einfluss auf meine Bewertung – ich teile wie gewohnt meine ehrliche Meinung und praktische Erfahrungen mit dem Board.
Unboxing & erster Aufbau
Das Waveshare ESP32-S3 RLCD 4.2 wird in einer stabilen Verpackung geliefert, die das Board zuverlässig vor Stößen schützt. Bereits beim Auspacken macht das Ganze einen durchdachten Eindruck.
Neben dem Board selbst liegen noch ein kleiner Speaker sowie ein Kreuzschlitz-Schraubendreher bei – ein nettes Extra, das man so nicht bei jedem Entwicklerboard bekommt.
Interessant:
Es gibt zwei Varianten des Boards – einmal mit und einmal ohne Akku. In meinem Fall war bereits ein LiPo-Akku (18650, 2600 mAh, 3,7 V) enthalten, was den Einstieg deutlich erleichtert und das Board direkt mobil einsetzbar macht.
Der mechanische Aufbau ist angenehm simpel gelöst. Die beiden Standfüße werden auf der Rückseite eingeklickt, und schon steht das Board stabil auf dem Schreibtisch – ganz ohne zusätzliches Zubehör oder Bastelarbeit.
Ein schönes Detail:
Auf dem Board ist bereits ein Demo-Programm vorinstalliert. Dieses zeigt unter anderem:
- die aktuelle Temperatur
- die relative Luftfeuchtigkeit
- den Batteriestand
- sowie die Anzahl erkannter WiFi- und BLE-Geräte in der Umgebung
👉 Damit bekommt man direkt nach dem Einschalten ein erstes Gefühl dafür, was mit dem Display möglich ist – ohne selbst sofort programmieren zu müssen.
Schwachstelle: Montage der Standfüße
Ein Punkt, der mir beim Aufbau negativ aufgefallen ist, betrifft die Montage der Standfüße.
Die Füße werden über kleine Kunststoffhaken auf der Rückseite befestigt. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten:
👉 Die Haken sind relativ filigran und können bei der Montage leicht abbrechen.
In meinem Fall ist genau das passiert – die Halterung ist beim Einsetzen gebrochen, wodurch das Display nicht mehr sicher steht.
Lösung: 3D-Druck als Alternative
Ich habe mir die Standfüße kurzerhand mit Tinkercad und meinem 3D-Drucker neu erstellt und dabei direkt etwas angepasst:
- sitzen nicht mehr ganz so stramm
- minimal kleiner dimensioniert
- dadurch deutlich einfacher einzusetzen
👉 Ergebnis:
Das Display steht wieder stabil – und die Montage ist deutlich entspannter.
Nachfolgend die STL-Datei als download:
Technische Daten im Überblick
| Bereich | Details |
|---|---|
| Prozessor | Xtensa 32-bit LX7 Dual-Core, bis zu 240 MHz |
| Speicher | 512 KB SRAM, 384 KB ROM, 16 MB Flash, 8 MB PSRAM |
| Konnektivität | 2,4 GHz Wi-Fi, Bluetooth 5 (LE), integrierte Antenne |
| Display | 4,2″ RLCD (Reflective LCD), 300 × 400 Pixel, ohne Hintergrundbeleuchtung |
| Audio | Dual-Mikrofon-Array (Noise Reduction, Echo Cancellation) |
| Sensoren | SHTC3 (Temperatur & relative Luftfeuchtigkeit) |
| RTC | PCF85063 Echtzeituhr + Anschluss für Backup-Batterie |
| Stromversorgung | 18650 Akkuhalter + separater RTC-Batterieanschluss |
| Speicher | microSD (TF) Kartenslot |
| GPIO | 2 × 8 Pin Header (2,54 mm Rastermaß) |
| Bedienelemente | BOOT, POWER, frei programmierbarer KEY-Button |
Aufbau & Anschlüsse im Detail
Werfen wir einen genaueren Blick auf den Aufbau des Waveshare ESP32-S3 RLCD 4.2.
Auf der Vorderseite dominiert ganz klar das 4,2″ große RLCD-Display mit einer Auflösung von 300 × 400 Pixeln. Dieses ist das zentrale Element des Boards und macht direkt deutlich, worauf der Fokus hier liegt: Visualisierung bei möglichst geringem Energieverbrauch.
Die Rückseite ist deutlich spannender – hier sitzt die eigentliche Technik:
Zusätzlich befinden sich unterhalb der USB-C Buchse zwei kleine Status-LEDs:
- eine LED zeigt an, dass der Akku geladen wird
- eine weitere LED dient als Schutzindikator und warnt, wenn der Akku falsch herum eingelegt wurde
👉 Gerade letzteres ist ein schönes Detail, das man nicht oft sieht und im Zweifel vor Schäden schützen kann.
👉 Insgesamt wirkt das Layout gut durchdacht:
Alle wichtigen Anschlüsse sind sauber erreichbar, und das Board lässt sich ohne viel Aufwand direkt in eigene Projekte integrieren.
Hinweis zum integrierten SHTC3 Sensor
Auf dem Board ist bereits ein SHTC3 Sensor verbaut, der Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit misst. Damit eignet sich das Board direkt für einfache Umweltmessungen – ganz ohne zusätzliche Hardware.
Die wichtigsten Spezifikationen im Überblick:
Luftfeuchtigkeit
- typische Genauigkeit: ±2 %RH
- Messbereich: 0 – 100 %RH
- Ansprechzeit (τ63%): ca. 8 Sekunden
- werkseitig kalibriert
Temperatur
- typische Genauigkeit: ±0,2 °C
- Ansprechzeit (τ63%): ca. 5 Sekunden
Wichtiger Hinweis zur Messgenauigkeit
Auch wenn der integrierte SHTC3 Sensor auf dem Papier gute Werte liefert, gibt es in der Praxis einen entscheidenden Punkt zu beachten:
👉 Der Sensor ist auf der Platine hinter dem RLCD-Display verbaut und wird zusätzlich von einer etwa 3 mm starken Acrylplatte abgedeckt.
Das führt dazu, dass:
- der Sensor nicht direkt der Umgebungsluft ausgesetzt ist
- sich Wärme vom Development Board staut
- die Luftzirkulation eingeschränkt ist
👉Dadurch misst der Sensor eher die Temperatur des Boards selbst als die der Umgebung.
RLCD vs. LCD vs. ePaper – wo liegt der Unterschied?
Bevor wir das Display bewerten, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Technik dahinter. Denn ein RLCD (Reflective LCD) ist weder ein klassisches LCD noch ein ePaper-Display – sondern liegt irgendwo dazwischen.
TFT-LCD (klassisches Farbdisplay)
Die meisten Displays, die du aus Smartphones, günstigen ESP32-Displays oder Monitoren kennst, sind sogenannte TFT-LCDs (Thin-Film-Transistor Displays).
Das bedeutet:
- jedes Pixel wird aktiv angesteuert
- das Display benötigt immer eine Hintergrundbeleuchtung
Vorteile
- kräftige Farben und hohe Helligkeit
- sehr schnelle Reaktionszeit (perfekt für Animationen & UI)
- gut geeignet für interaktive Anwendungen
- unabhängig vom Umgebungslicht
Nachteile
- hoher Stromverbrauch durch Hintergrundbeleuchtung
- bei direkter Sonne oft schlechter ablesbar
- für batteriebetriebene Projekte eher ungünstig
RLCD (Reflective LCD)
Ein RLCD – wie beim Waveshare ESP32-S3 RLCD 4.2 – verzichtet komplett auf eine Hintergrundbeleuchtung.
Stattdessen nutzt es:
- Umgebungslicht zur Darstellung
- ähnlich wie Papier oder ePaper
Vorteile
- deutlich stromsparender als normales LCD
- sehr gut bei Tageslicht ablesbar
- schnelle Reaktionszeiten (kein „Refresh-Flackern“)
Nachteile
- bei wenig Licht schlechter sichtbar
- Kontrast nicht ganz so stark wie bei ePaper
ePaper (E-Ink)
ePaper geht noch einen Schritt weiter:
Eigenschaften:
- Bild bleibt ohne Strom dauerhaft sichtbar
- extrem hoher Kontrast
- wirkt wie echtes Papier
Vorteile
- minimaler Stromverbrauch
- perfekt für statische Inhalte
- sehr gut ablesbar
Nachteile
- sehr langsamer Bildaufbau
- sichtbares „Flackern“ beim Aktualisieren
- meist deutlich teurer
Direkter Vergleich
| Feature | TFT | RLCD | ePaper |
|---|---|---|---|
| Stromverbrauch | ❌ hoch | ⚖️ mittel | ✅ sehr gering |
| Ablesbarkeit Sonne | ⚖️ mittel | ✅ gut | ✅ sehr gut |
| Helligkeit (dunkel) | ✅ sehr gut | ❌ schlecht | ❌ schlecht |
| Geschwindigkeit | ✅ sehr schnell | ✅ schnell | ❌ langsam |
| Daueranzeige ohne Strom | ❌ nein | ❌ nein | ✅ ja |
| Preis | ⚖️ mittel | ✅ günstig | ❌ teuer |
Erste Einordnung
Nach dem direkten Vergleich wird schnell klar:
👉 Das RLCD ist weder ein klassisches Display noch ein ePaper-Ersatz.
Stattdessen positioniert es sich genau dazwischen:
- deutlich schneller als ePaper
- stromsparender als ein TFT
- und vor allem: deutlich günstiger
👉 Genau diese Kombination macht das Display besonders interessant für IoT-Projekte, bei denen sich Inhalte regelmäßig ändern.
Erster Eindruck vom RLCD Display
Nach dem ersten Einschalten war ich ehrlich gesagt gespannt, wie nah das RLCD wirklich an ein ePaper-Display herankommt.




👉 Die kurze Antwort: Es ist anders – aber auf eine interessante Art.
Die Darstellung wirkt insgesamt etwas matter als bei einem klassischen TFT-Display, was aber durchaus gewollt ist. Gerade bei gutem Umgebungslicht lässt sich der Inhalt sehr angenehm ablesen.
Was sofort auffällt:
👉 Das Display reagiert deutlich schneller als ePaper.
- kein Flackern
- keine langen Refresh-Zeiten
- Inhalte werden direkt aktualisiert
Allerdings zeigt sich auch schnell die Kehrseite:
👉 Bei schlechten Lichtverhältnissen wird das Display schwer lesbar.
Hier fehlt schlicht die Hintergrundbeleuchtung – ein Punkt, den man bei der Projektwahl unbedingt berücksichtigen sollte.
Für wen lohnt sich das Board?
Das Waveshare ESP32-S3 RLCD 4.2 ist besonders interessant für:
- IoT Dashboards
- Wetterstationen
- Smart Home Anzeigen
- Akkubetriebene Projekte mit regelmäßigen Updates
👉 Weniger geeignet ist es für:
- rein statische Anzeigen (hier bleibt ePaper überlegen)
- dunkle Umgebungen ohne zusätzliche Beleuchtung
Fazit: ePaper Killer?
👉 Die kurze Antwort: Nein – aber das muss es auch gar nicht sein.
Das Waveshare ESP32-S3 RLCD 4.2 positioniert sich genau zwischen klassischem TFT und ePaper – und trifft damit einen sehr interessanten Sweet Spot.
ePaper bleibt unschlagbar, wenn es um:
- extrem niedrigen Stromverbrauch
- und statische Inhalte
geht.
Das RLCD hingegen punktet mit:
- deutlich schnellerer Darstellung
- guter Ablesbarkeit bei Tageslicht
- und einem spürbar günstigeren Preis
👉 Gerade für Projekte mit regelmäßig aktualisierten Inhalten – wie Dashboards oder Smart-Home-Anzeigen – ist das ein echter Vorteil.
Natürlich gibt es auch Schwächen:
- keine Hintergrundbeleuchtung → schwierig bei wenig Licht
- kleinere Verarbeitungsdetails (z. B. Standfüße)
👉 Mein Eindruck nach dem ersten Teil:
Das Board ist kein ePaper-Ersatz, aber eine spannende und praktische Alternative für viele IoT-Projekte.
Letzte Aktualisierung am: 27. April 2026












