Wer mit dem Shelly 2PM ein Rolltor oder eine andere motorisierte Anlage steuern möchte, steht oft vor einer typischen Herausforderung:
Der Shelly selbst bietet keine direkte Möglichkeit, den aktuellen Zustand (z. B. offen, geschlossen, in Bewegung) zuverlässig zu erfassen.
Zwar lässt sich das System mit dem optionalen Shelly AddOn um Eingänge erweitern – jedoch steht in der Praxis nur ein einziger digitaler Eingang zur Verfügung.
Damit ist klar: Eine klassische Lösung mit zwei Endschaltern (für offen und geschlossen) scheitert, wenn man beide Schalter als digitale Signale erfassen möchte – denn es fehlt schlicht ein zweiter Eingang.
In diesem Beitrag zeige ich dir eine einfache, aber wirkungsvolle Lösung:
Mit zwei Tastern (z. B. Rollschalter oder Reedkontakte) und unterschiedlichen Widerständen kannst du über einen einzigen analogen Eingang trotzdem mehrere Zustände unterscheiden.
Hinweis aus der Community: Die Idee zu diesem Beitrag ist aus einem Kommentar zu einem meiner YouTube-Videos entstanden – direkt aus der Community. Ich freue mich immer über eure Fragen, Anregungen und Ideen!
Solltest auch du eine Frage haben oder Unterstützung benötigen, kannst du dich jederzeit per E-Mail oder über ein Support-Ticket bei mir melden. Gemeinsam finden wir sicher eine Lösung!
Inhaltsverzeichnis
- Funktionsweise – Ein analoger Eingang, mehrere Zustände
- Warum nicht einfach direkt an S1 und S2 anschließen?
- Benötigte Bauteile & Werkzeuge
- Beispielschaltung auf dem Breadboard
- Praxisbeispiel: Rolltorsteuerung mit Shelly BLU Button und Shelly 2PM
- Fazit
Funktionsweise – Ein analoger Eingang, mehrere Zustände
Die Idee hinter dieser Lösung ist simpel, aber effektiv:
Statt digitale Zustände (Ein/Aus) über getrennte Eingänge zu erfassen, nutzen wir einen analogen Spannungseingang, der je nach gedrücktem Taster einen unterschiedlichen Spannungswert liefert. Das funktioniert mithilfe eines Spannungsteilers, der aus einem Taster und einem Widerstand besteht.


So funktioniert’s
- Jeder Taster ist mit einem eigenen Widerstand verschaltet.
- Wird ein Taster gedrückt, fließt Strom über den zugehörigen Widerstand zum analogen Eingang.
- Je nach Widerstandswert entsteht ein charakteristischer Spannungswert.
- Dieser lässt sich im Shelly-Skript eindeutig erkennen und einem bestimmten Zustand zuordnen.

So kann man z. B. folgende Zustände erfassen:
- Tor geschlossen
- Tor offen
- Tor bewegt sich / Zwischenposition
Und das mit nur einem einzigen analogen Eingang!
Erweiterbarkeit
Diese Lösung lässt sich theoretisch auch auf mehr als zwei Taster erweitern – z. B. für komplexere Zustände oder mehrere Endschalter. Die einzige Grenze liegt in der praktischen Unterscheidbarkeit der resultierenden Spannungswerte:
Je mehr Widerstandswerte du verwendest, desto näher rücken die Spannungen aneinander – dadurch steigt die Fehleranfälligkeit und die Auswertung wird ungenauer.
Mit 2 bis 4 Zuständen ist die Methode aber sehr zuverlässig – vorausgesetzt, du wählst die Widerstände sorgfältig und lässt etwas Toleranz in der Auswertung.
Warum nicht einfach direkt an S1 und S2 anschließen?
Der Shelly 2PM bietet von Haus aus zwei Tastereingänge (S1 und S2), an die sich theoretisch ebenfalls zwei Rolltaster anschließen lassen.



Das wirft natürlich die berechtigte Frage auf:
„Warum den Umweg über den analogen Eingang mit einer eigenen Schaltung machen?“
Die Antwort: Weil es technisch wie praktisch viele Vorteile bringt.
Vorteile meiner Lösung über den analogen Eingang:
- Niederspannung: Die gesamte Schaltung arbeitet mit 3,3 V – ideal für empfindliche Sensoren oder Taster, die keine 24 V oder Netzspannung vertragen.
- Skalierbar: Weitere Zustände lassen sich über zusätzliche Widerstandswerte ergänzen (z. B. „halb offen“).
- Zentrale Logik: Nur ein Eingang nötig – die komplette Auswertung erfolgt softwareseitig.
- Sicherer Betrieb: Keine Netzspannung an mechanischen Kontakten – ideal für DIY-Anwendungen.
- Und der wichtigste Punkt:
Die S1- und S2-Eingänge bleiben frei und können für manuelle Bedientaster genutzt werden.
Damit hast du zusätzlich zur Funkfernbedienung (z. B. per Shelly BLU Button) auch die Möglichkeit, das Tor vor Ort über klassische Taster zu bedienen – ganz ohne Smartphone, App oder Internetverbindung. Das macht dein System deutlich flexibler und ausfallsicherer.
Benötigte Bauteile & Werkzeuge
Der Aufbau der Schaltung ist einfach und kann auf einer kleinen Lochrasterplatine realisiert werden. Folgende Komponenten kommen dabei zum Einsatz:
Benötigte Bauteile:
- 1× Widerstand 1 kΩ*
- 1× Widerstand 4,7 kΩ*
- 1× Widerstand 10 kΩ* (als Pull-Down-Widerstand gegen GND)
- etwas Draht* (z. B. AWG20) in den Farben rot, schwarz, blau
- 1× Lochrasterplatine*
- 2× 2-fach Schraubklemme* für Printmontage
(für die Rolltaster / Endschalter) - 1× 3-fach Schraubklemme* für Printmontage
(für Vcc, GND, Analogsignal)

Benötigtes Werkzeug:
- Lötkolben* oder Lötstation*
- 1 mm Lötzinn*
- Lötfett* (optional, für bessere Verbindungen)
- Seitenschneider* (klein)
- Abisolierzange*
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Rolltaster als Schalter
In meinem Aufbau verwende ich zwei kleine Rolltaster, wie man sie z. B. als Endschalter an Toren oder Maschinen kennt.
Diese lassen sich aber flexibel durch andere Taster, Reed-Kontakte oder mechanische Schalter ersetzen – je nachdem, welcher Zustand überwacht werden soll.
Beispielschaltung auf dem Breadboard
Um die Funktion zu testen oder vorab zu entwickeln, eignet sich ein einfacher Aufbau auf dem Breadboard. Die Schaltung besteht aus zwei Tastern, die jeweils über unterschiedliche Widerstände mit VCC verbunden sind. Zusätzlich ist ein 10 kΩ Pull-Down-Widerstand zwischen dem analogen Eingang und GND eingebaut, um den Eingang bei geöffneten Tastern auf definiertes Potenzial zu ziehen.

Wird ein Taster gedrückt, liegt über den zugehörigen Widerstand eine definierte Spannung am ANALOG IN an. Diese kann im Skript ausgewertet und einem bestimmten Zustand zugeordnet werden.
Die 1 kΩ- und 4,7 kΩ-Widerstände erzeugen dabei deutlich unterschiedliche Spannungsniveaus. Durch diese simple Schaltung lassen sich mit nur einem analogen Eingang mehrere logische Zustände unterscheiden – ideal für den Einsatz mit dem Shelly AddOn.
Praxisbeispiel: Rolltorsteuerung mit Shelly BLU Button und Shelly 2PM
Der Shelly 2PM verfügt nicht nur über WLAN, sondern auch über eine Bluetooth-Schnittstelle. Damit lässt sich z. B. der Shelly BLU Button direkt mit dem Gerät koppeln. Dieser kleine Schalter unterstützt vier verschiedene Klick-Aktionen:
- einfacher Klick
- Doppelklick
- Dreifach-Klick
- langer Klick



In meinem Blog habe ich bereits beide Versionen des Buttons vorgestellt:
Für unsere Schaltung benötigen wir nur den einfachen Klick – denn dieser löst die Abfrage am analogen Eingang aus, an dem unsere zwei Rolltaster mit unterschiedlichen Widerständen angeschlossen sind.
So funktioniert die Logik
- Taster 1 (z. B. „Tor geschlossen“) wird mit ~21,7 % erkannt
- Taster 2 (z. B. „Tor geöffnet“) wird mit ~23,5 % erkannt
- Liegt der analoge Wert bei 0 %, befinden sich beide Taster im offenen Zustand – das bedeutet:
➜ Tor befindet sich in Bewegung oder steht in Zwischenposition
In diesem Fall fahren wir das Tor aus Sicherheitsgründen automatisch zu.
Hinweis: Um maximale Sicherheit zu gewährleisten, sollte bei realen Installationen zusätzlich eine Lichtschranke oder ein Näherungssensor eingesetzt werden, um Personen oder Hindernisse im Gefahrenbereich zu erkennen.
Hinweis zum aktuellen Stand
In meinem Aufbau ist derzeit noch kein echter Rolltormotor integriert. Die hier vorgestellte Lösung zeigt das Konzept zur Zustandsüberwachung über einen einzigen analogen Eingang – getestet mit zwei Rolltastern.
Der nächste Schritt folgt: In einem weiteren Beitrag werde ich den Aufbau um einen echten Rolltormotor erweitern und die komplette Steuerung in der Praxis zeigen – inklusive Sicherheitsabschaltung.
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Szenen in Shelly Smart Control – Rolltorautomatik mit zwei Szenen
Um die Logik mit dem Shelly 2PM und dem BLU Button umzusetzen, nutzen wir das integrierte Szenensystem.
Die Szenen lassen sich direkt über die Shelly App erstellen – deutlich übersichtlicher geht es aber über die Weboberfläche der Shelly Cloud.

Für unsere Anwendung benötigen wir insgesamt zwei Szenen, die auf den Wert des analogen Eingangs reagieren und entsprechende Aktionen auslösen.
Szene 1 – Tor öffnen
Der Taster 1 erzeugt am analogen Eingang einen Spannungswert, der in der Weboberfläche bzw. der App als ca. 22 % angezeigt wird.
Allerdings ist dieser Wert nicht absolut stabil – er kann je nach Umgebungseinflüssen (z. B. Temperatur, Leitungswiderstand oder Toleranz der Widerstände) leicht schwanken. Deshalb solltest du nicht mit einem festen Wert arbeiten, sondern mit einem Toleranzbereich (Range).


Wenn dieser Bereich erkannt wird, soll der Ausgang O1 am Shelly 2PM aktiviert und gleichzeitig der Ausgang O2 deaktiviert werden.
Szene 2 – Tor schließen
Der Taster zum Schließen des Tores erzeugt am analogen Eingang einen Wert von über 23 %.
In diesem Fall reicht es aus, einfach zu prüfen, ob der Wert größer als 23 % ist, um den Zustand „Tor offen“ zuverlässig zu erkennen.
Sollten später ein dritter oder vierter Taster eingebaut werden, muss – analog zu Szene 1 – wieder ein konkreter Wertebereich (Range) definiert werden, um die zusätzlichen Zustände eindeutig zu unterscheiden.


Wenn dieser Bereich erkannt wird, soll der Ausgang O2 am Shelly 2PM aktiviert und gleichzeitig der Ausgang O1 deaktiviert werden.
Fazit
Mit einer einfachen Spannungsteilerschaltung und nur wenigen Bauteilen lässt sich eine bestehende Rolltorsteuerung sinnvoll erweitern – ganz ohne zusätzliche Eingänge oder aufwendige Steuertechnik.
Diese Lösung ermöglicht es nicht nur, den aktuellen Zustand des Tores über einen einzigen analogen Eingang zu erfassen, sondern schafft auch Flexibilität:
Du kannst damit zusätzliche Schalter einbauen, während die beiden Eingänge (S1 & S2) am Shelly 2PM für andere Funktionen – wie manuelle Taster – frei bleiben.
Ein weiterer Vorteil:
Das gesamte System läuft auf sicherer Kleinspannung, sodass kein 230 V-Stromkabel verlegt werden muss – ideal für DIY-Installationen und nachträgliche Erweiterungen.
💡 Einfach, flexibel, sicher – genau so sollen smarte Lösungen sein.